Methode

Lernen Sie die Methode der Positiven und Transkulturellen Psychotherapie kennen!

 „Wenn Du willst, was Du noch nie gehabt hast, dann tu, was Du noch nie getan hast“ hat Nossrat Peseschkian immer gesagt. Damit Psychotherapie wirkt, müssen Patientinnen und Patienten aktiv mitarbeiten können! Und genau darin entfaltet die Positive Psychotherapie ihre Stärken: sie gibt der Ermutigung Raum, sie verwendet eine zugängliche Sprache, sie ist tiefgründig und pragmatisch; sie bietet rationale Unterscheidungen und intuitive Zugänge, thematisiert die Bedeutung sozio-kultureller Zusammenhänge und vermittelt ein ganzheitsmedizinisches Verständnis; sie fördert Visualisierung und Versprachlichung, sie macht Veränderungsprozesse transparent und unterstützt sie situativ. Christian Henrichs, der Präsident der DGPP, skizziert in einem Vortrag einige wichtige Ideen aus der Welt der Positiven Psychotherapie und gibt einen guten Überblick über die Methode und ihre praktische Anwendung. Schauen Sie sich den Grundlagenvortrag auf YouTube an:

 

Das Positive Menschenbild

Die Positive Psychotherapie vertritt ein humanistisches, ganzheitliches Menschenbild. Dieser Ansatz berücksichtigt neben den gestörten Bereichen und Symptomen auch die dem Individuum und der Gemeinschaft innewohnenden Fähigkeiten. Der zentrale Begriff ‚positiv‘ ist nicht im Sinne einer Wertung zu verstehen, sondern ‚positiv‘ bedeutet hier entsprechend seiner ursprünglichen Bedeutung (Lateinisch: ‚positum‘): das Tatsächliche, das Vorgegebene.
Tatsächlich vorgegeben sind nicht notwendigerweise nur Konflikte und Störungen, sondern ebenso die Fähigkeiten und Lösungsstrategien, die jeder Mensch mitbringt. Die Positive Psychotherapie richtet also den Blick auf das Ganze und meint damit, dass jeder Mensch die Fähigkeit hat, eine Störung zu entwickeln, und gleichzeitig auch die Fähigkeit zur Gesundung besitzt. 

Entsprechend diesem Denkansatz berücksichtigt die Positive Psychotherapie nicht nur die Vergangenheit – also die regressive Sicht –, sondern sie betont auch eine zukunftsorientierte, progressive Betrachtungsweise. Oder anders ausgedrückt: neben der Pathologie wird von Anfang an nach den Ressourcen der Patient*in im Sinne seiner Selbstheilungskräfte gefragt.  Jedem Menschen wird die Fähigkeit zur Entwicklung zugebilligt. Die Therapie oder Beratung unterstützt einen Prozess zum ‚Erkenne dich selbst‘ und ‚Sei der du bist‘. Das Therapiekonzept basiert damit auf der Grundannahme, dass der Mensch seinem Wesen nach gut ist. 

 

Das Balancemodell

Das Balancemodell ist eines der Kernelemente der Positiven Psychotherapie. Es beschreibt die Lebenssituation des Menschen in vier großen Bereichen: Körper/Gesundheit, Beruf/Leistung, Kontakt/Beziehungen und Fantasie/Sinn. Diese Bereiche stehen miteinander in Wechselwirkung und beeinflussen die Lebenszufriedenheit. Langfristige Überbetonung oder Vernachlässigung einzelner Lebensbereiche kann sich auf die anderen Bereiche auswirken und das Leben aus der Balance bringen. Im Sinne der Energieverteilung zeigt das Modell anschaulich, welche Bereiche betont und welche vernachlässigt werden.

In Konflikten nutzt jeder Mensch – bewusst oder unbewusst – eine eigene Strategie mit Problemen umzugehen. Ein Beispiel: 

  • Das eine Kind reagiert, indem es körperliche Symptome entwickelt (Körper).
  • Das eine Elternteil reagiert, indem es sich in die Arbeit stürzt (Leistung).
  • Das andere Elternteil reagiert, indem es sich viel mit Freunden trifft (Kontakt).
  • Das andere Kind reagiert, indem es viel im Internet spielt oder sich Ideologien zuwendet (Fantasie/Sinn).

Die vier Bereiche in eine dynamische Balance zu bringen, ist eines der Anliegen der Positiven Psychotherapie. Das Balance-Modell wird auch als die ‚Vier Qualitäten des Lebens’, die ‚Vier Wege der Erkenntnisfähigkeit’ oder die ‚Vier Formen der Konfliktverarbeitung’ benannt und kann in verschiedenen Beratungssituationen eingesetzt werden.

Geschichten

Die Positive Psychotherapie ist in den letzten 50 Jahren besonders für den therapeutischen Einsatz von Geschichten bekannt geworden. Im Gegensatz zu Ratschlägen legen die Geschichten als Erweiterungskonzept dem Betrachter keine Verpflichtung auf.

Geschichten mit ihrem spielerischen Charakter, ihrer Nähe zur Fantasie, Intuition und Irrationalität stehen in offenkundigem Gegensatz zu den zweckrationalen, technologischen Vorbildern der modernen Leistungsgesellschaft. Geschichten sind wie Medikamente für die Seele und zwar Medikamente mit Depotwirkung. Sie enthalten Bezüge zu innerseelischen, zwischenmenschlichen und gesellschaftlichen Inhalten und Vorgängen und bieten Lösungsmöglichkeiten an. Losgelöst von der unmittelbaren Erfahrungswelt des „Patienten“, seinen Widerständen gegenüber der Aufdeckung seiner Schwächen, hilft das Beispiel in der Geschichte, eine veränderte Beziehung zu den eigenen Konflikten zu gewinnen. Nossrat Peseschkian hat darum Geschichten, Sinnsprüche und Parabeln als Wiederentdeckung alter orientalischer Gebräuche direkt in den psychotherapeutischen Prozess integriert.

 

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden